Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Eltern, Schüler/innen und Kinder,

mit Beginn des Schuljahres 2012/13 wurden in allen Schulamtsbezirken des Landes Brandenburg Pilotschulen mit inklusiven Unterrichtsangeboten eingerichtet. Dort werden Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet. Schwerpunkte sind dabei die Bereiche „Lernen“, „soziale-emotionale Entwicklung“ und „Sprache“ (kurz: LES).

„Inklusion - Ja, aber richtig!“ unter diesem Mot­to hat der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. in den letzten Monaten im Rahmen einer Kampagne landesweit mit einer Vielzahl von Eltern von Kindern mit und ohne Behinderungen, Lehrer/innen von Grundschulen und weiterführenden Schulen, Sonderpädagog/innen und Erzieher/innen sowie Kommunal- und Landespolitiker/innen darüber diskutiert, wie jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten vollumfänglich teilhaben kann. Wir haben uns unter anderem gefragt, welche Konsequenzen ergeben sich aus den ersten Probeläufen zur Umsetzung der Inklusion in Brandenburg für die Betroffenen? Wie schnell lassen sich Voraussetzungen für in­klusive Bildung flächendeckend in unserem Land überhaupt schaffen? Und inwieweit werden die Kinder mit Unterstützungsbedarf individuell ge­fördert? Getragen von einem Beirat und unter­stützt von der Aktion Mensch stand für uns fest: Das Wohl von Kindern mit oder ohne Behinde­rung muss der Maßstab für die Umsetzung inklu­siver Bildung sein.

Die Vielzahl der Beiträge und Anregungen in den Veranstaltungen ha­ben gezeigt, wie wichtig eine breite gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema ist. Denn die ersten Schritte in Brandenburg zeigen die Gefahr auf, dass die Umsetzung der geplan­ten Maßnahmen dazu führt, dass neue Rahmen­bedingungen in den Schulen geschaffen werden, die eine individuelle Förderung der Kinder mit Behinderungen verhindern, und zu Lasten dieser Kinder Einsparungen erfolgen.

Für uns steht fest: Es darf keine Förderschule geschlossen werden, bevor nicht ein neues, tragfähiges System aufge­baut wurde.

Inklusion erfordert nicht nur einen Einstellungs­wandel der Menschen unserer Gesellschaft, son­dern auch sehr erhebliche finanzielle Aufwen­dungen. Nicht nur wegen baulicher Maßnahmen, sondern insbesondere durch die Bereitstellung des hierfür erforderlichen qualifizierten Perso­nals. Es wäre eine Umkehrung des Gedankens, wenn Inklusion unter der Hand zu einem Spar­programm gemacht würde.

Im Ergebnis unserer Kampagne ist ein Forde­rungskatalog entstanden, den wir den Entschei­dungsträgern im Land Brandenburg überreicht haben. Wir haben in diesem Papier Ideen, Wünsche und Forderungen für ein Gelingen einer inklusiven Gesellschaft und Bildungslandschaft zusammengefasst und werden weiter dafür ein­treten, dass nicht über die Köpfe derer hinweg entschieden wird, die es angeht.

Der Projektbeirat